Viten der Heiligen und Seligen


Hl. Hermann-Joseph (21. Mai)

Hermann wurde um das Jahr 1150 in Köln geboren. Seit frühester Kindheit zeichnete ihn eine Verehrung Unserer Lieben Frau aus. Die Vita, die sein Prior verfasst hatte, erzählt, dass er täglich in die Kirche St. Marien auf dem Kapitol zum Gebet ging; eines Tages bot er Maria einen Apfel an, die sich daraufhin herabbeugte, damit das Jesuskind ihn ergreifen konnte. Mit 12 Jahren trat er in die Prämonstratenser-Abtei Steinfeld ein, von wo aus man ihn zu den Studien nach Mariengaarde in Friesland schickte. Schon als junger Mann übte er strenge Buße. Nach seiner Rückkehr nach Steinfeld und der Priesterweihe trug man ihm den Dienst in der Sakristei und im Refektorium auf. Bei dieser Handarbeit entwickelte er ein außergewöhnliches inneres Leben und empfing mystische Gnaden. Den Beinamen „Joseph“ erhielt er aufgrund einer Vision, in der die Jungfrau Maria ihn als ihren Verlobten annahm. Seine zahlreichen Verzückungen waren u.a. der Grund für das Unverständnis einiger seiner Mitbrüder. Als demütiger und armer, geduldiger und zu allen freundlicher - besonders zu denen, die ihn am wenigsten verstanden -, seinen Oberen gehorsamer, jederzeit zu einem Dienst für seine Mitbrüder bereiter Chorherr, so stellt Hermann-Joseph das Vorbild eines Ordensmannes im Geiste Augustins dar.
Hermann-Joseph verfasste mehrere Hymnen zu Ehren der Gottesmutter, einen Kommentar zum Hohenlied und Gedichte über die in Köln hochverehrte hl. Ursula mit ihren Gefährtinnen – alles in gefühlvollem Stil, der aus diesem tiefreligiösen Mann ein wahres poetisches Talent machte. Er ist einer der ersten, der ausdrücklich das Herz Jesu verehrte, und zwar in einer authentischen Mystik, die sich aus der Hl. Schrift nährte. Man rühmt zudem seine Geschicktheit beim Herstellen und Reparieren von Uhren. Hermann-Joseph wurde Seelsorger der Zisterzienserinnen und unterhielt vielfältige Kontakte zu ihnen, weil sie seine geistliche Begleitung schätzten. Einmal gaben sie vor, sie hätten eine Uhr zu richten - nur, um ihn in ihren Konvent zu holen. Als er sich nun zur Fastenzeit 1241 bei den Zisterzienserinnen von Hove, einige Kilometer von Steinfeld entfernt, befand, wurde er schwer krank und starb am Osterdonnerstag, den 4. April 1241, im Alter von 91 Jahren.
Sein Leichnam wurde feierlich nach Steinfeld übertragen und befindet sich heute in einem Hochgrab in der Mitte der Kirche. Nach seinem Tod rissen die Zeugnisse der Verehrung nie ab. Papst Benedikt XIII. erlaubte seine Verehrung am 22. Januar/8. März 1728 und konsekrierte einen Altar zu seinen Ehren im „Collegio San Norberto“ in Rom. Am 11. August 1958 endlich wurde der Kult, der die Jahrhunderte überdauert hatte, von Papst Pius XII. offiziell anerkannt und Hermann-Joseph heiliggesprochen. Im Rheinland verehrt man ihn als Patron der Kinder und der studierenden Jugend.

Guter Gott, du hast dein Reich den Kleinen und Geringen verheißen. Gib, dass wir auf dem Weg des hl. Hermann-Joseph froh und demütig der himmlischen Freude entgegeneilen. Durch Christus, unseren Herrn. Amen.