
Evermod stammte aus der belgischen Provinz Henegau und wurde kurz nach 1100
geboren. Nach einer Predigt des hl. Norbert in Cambrai schloss er sich diesem
im Jahre 1120 in noch jugendlichem Alter an. Er wurde einer der treuesten Schüler
Norberts, begleitete diesen vermutlich nach Antwerpen, später nach Magdeburg
und blieb dessen Reisebegleiter bis zu seinem Tod. Vielleicht hat ihn der hl.
Norbert zum Priester geweiht. Als Norbert das Kapitel Unserer Lieben Frau zu
Magdeburg zu einer Gemeinschaft des Ordens umformte, war Evermod sicher mit
dabei. 1131 gründete Norbert das Kloster Gottesgnaden, dessen erster Propst
Emelricus war, der sich dann aber auf eine Pilgerfahrt ins Hl. Land machte.
Evermod wurde Vize-Propst und Provisor. Er war der strengen Regel des Augustinus,
dem „ordo monasterii“, verpflichtet, weshalb er zuweilen angegriffen
wurde. Evermod arbeitete eng mit dem hl. Norbert bei der Reform des Klerus in
Magdeburg und bei der Bekehrung der Wenden zusammen. Er stand Norbert auch in
seiner Sterbestunde am 6. Juni 1134 bei. Von 1134 bis 1138 war Evermod Propst
im sächsischen Stift Gottesgnaden. Von 1138 bis 1154, nachdem der erste
Propst Wigger Bischof von Brandenburg geworden war, wurde Evermod Propst Unserer
Lieben Frau in Magdeburg. Nach Norberts Tod hatte er dafür gesorgt, dass
der Leichnam in Magdeburg beigesetzt wurde. Jetzt wählten ihn die Mitbrüder
zum Propst. Von hier aus gründete er die Prämonstratenser-Klöster
Havelberg, Jerichow, Quedlinburg und Pöhlde. Im Jahr 1154 wurde Evermod
erster Bischof der wieder neu gegründeten Diözese Ratzeburg, die 1066
im Wendenaufstand völlig untergegangen war. Mit Hilfe einiger Mitbrüder,
die er aus Magdeburg mitnahm, verwandelte er das gerade erst installierte Domkapitel
in ein Prämonstratenser-Kapitel. Es war für ihn keine leichte Aufgabe,
zwischen dem mächtigen Welfen Heinrich dem Löwen, damals noch Herzog
von Bayern und Sachsen, von dem er politisch und finanziell abhängig war,
und dessen Gegner Erzbischof Hartwig von Hamburg-Bremen zu stehen, der die Metropolitanrechte
beanspruchte und zudem gegen die Leitung des Bistums durch Ordensangehörige
war. So ließ sich Evermod wahrscheinlich am 13. Juli 1153 durch den Erzbischof
Arnolf von Mainz weihen. Graf Heinrich hatte dem Bischof Insel und Burg geschenkt,
auf dem Dom und Kloster entstanden. Wegen seiner erfolgreichen Missionstätigkeit
unter den überwiegend heidnischen Wenden bis hinauf nach Norwegen wird
er gelegentlich (sogar von Protestanten) „Apostel der Wenden“ und
„Licht Sachsens“ genannt. Sein Bistum war vortrefflich organisiert,
das Domkapitel bestand aus Mitbrüdern mit dem Bischof als Propst.
Evermod starb, alt und entkräftet, als Bischof von Ratzeburg am 17. Februar
1178. Sein Grab befindet sich im Presbyterium des romanischen Doms von Ratzeburg.
Papst Benedikt XIII. bestätigte seinen Kult am 20. März/12. April
1728.
Weil Ratzeburg im Erzbistum Hamburg liegt, das 1995 gegründet wurde, schieden
die drei hll. Bischöfe Evermod, Isfried und Ludolph aus dem Heiligenkalender
des Bistums Osnabrück aus und gingen in den Heiligenkalender des Erzbistums
Hamburg über.